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Glossare

Begriff Definition
Identität

Die Identität eines Tieres wird bestimmt durch:

a) Kennzeichen, die möglichst eindeutig sind

Mit der Einführung von RFID-Mikrochips (Transpondern) kann ein Tier individuell gekennzeichnet werden. Die Transponder sollten der Norm ISO 11784 entsprechen.  

Die früher üblichen Tätowierungen werden kaum noch eingesetzt. Bei Rindern sind nachwievor Ohrmarken die Kennzeichnung der Wahl.

Kennzeichnungen dienen zur Identifizierung eines Tieres im täglichen Umgang, sie sind nicht ausreichend für eine zweifelsfreie ein-eindeutige Indentifikation. Diese erfolgt durch die Ergebung individualtypischer Erbinformation in der DNA.

 

b) DNA-Profil Identität - genetischer Fingerabdruck.

Für die Erstellung individualtypischer Erbinformationen stehen verschiedenen Techniken zur Verfügung. Am weitesten verbreitet ist die Typsierung sogenannter STR-Marker.

Ein DNA-Profil Identität ist individualtypisch, wenn mit hinreichender Sicherheit durch Zufall ein gleichartiges Profil in einer Population nicht ein weiteres Mal vorkommt.

Die Zufallsübereinstimmung bei einem gegebenen DNA-Profil Identität (random match probability, genotype frequency) errechnet sich durch Multiplikation aus der Häufigkeit der an den einzelnen Markern (Loci)  gefundenen Allelkombinationen (Locustype-frequency)

Welche und wieviele Marker für das Erstellen eines DNA-Profils typisiert werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der Regel werden Sets zusammengestellt, die insgesamt eine ausreichende Sicherheit bieten.

Solche Sets werden z.B. von der ISAG vorgeschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

IVDD-Typ 1
Bandscheibenvorfall (Diskopathie) / engl.: IVDD (intervertebral disc disease)
 
Der Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung, die vorwiegend, aber nicht ausschließlich bei bestimmten kurzbeinigen Hunderassen auftritt.
 
Klinisch können nach Hansen 2 Formen unterschieden werden:
 
Typ 1: Bereits bei jungen Hunden kommt es zu einer Degeneration und Verkalkung aller Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben). In Folge des Elastizitätsverlustes kann der äußere Faserring, der den gallertigen Kern einer Bandscheibe umschließt, einreißen. Durch den Riss quillt der Bandscheibeninhalt explosionsartig hervor und drückt auf das Rückenmark. Typ 1 verläuft daher akut mit plötzlichen Schmerzen und Lähmungen.
 
Typ 2: Bei dieser Form verliert der äußere Faserring seine Festigkeit und der gallertige Kern drückt den Faserring auf das Rückenmark. Die Symptome entwickeln sich schleichend und nehmen mit der Zeit zu. Der fortdauernde Druck behindert die Blutversorgung und führt häufig zu Dauerschäden der Nerven.
 
Für die Anfälligkeit an einem Bandscheibenvorfall Typ 1 zu erkranken steht ein Gentest zur Verfügung. Veröffentlichung: Brown EA, et al. FGF4 retrogene on CFA12 is responsible for chondrodystrophy and intervertebral disc disease in dogs. Proc Natl Acad Sci USA. 2017;114(43):11476-11481. (DOI: 10.1073/pnas.1709082114)
 
Die Autoren beschreiben als Ursache die Insertion eines FGF4-Retrogens an einer bestimmten Stelle des Chromosom 12. Die Mutation wird als der entscheidende Faktor angesehen, der für das Eintreten des Bandscheibenvorfalls verantwortlich ist. Bei allen Tieren der Studie, die einen Bandscheibenvorfall hatten, war die Mutation entweder reinerbig oder mischerbig vorliegend.  Der Test untersucht, ob der Hund die FGF4-Retrogen-Insertion auf dem Chromosom 12 trägt.
 
Die Wirkung der Mutation ist dominant, jedoch mit unvollständiger Penetranz. Das bedeutet: Tiere, die im Ergebnis des Tests  ‚frei‘ von der Mutation sind, haben keine Anfälligkeit einen durch diese Mutation bedingten Bandscheibenvorfall zu entwickeln. Bei Tieren, die die Mutation reinerbig oder mischerbig aufweisen, besteht die Anfälligkeit für den Bandscheibenvorfall Typ 1.
Mit den gegenwärtig verfügbaren Daten ist noch nicht messbar, wie hoch das Risiko des einzelnen Tieres für das tatsächliche Eintreten der Krankheit ist. 

Aktuelle Anwendungsmöglichkeiten des IVDD-Typ-1 -Tests:

    a) Differentialdiagnose bei Hunden mit klinischem Bandscheibenvorfall
    b) Beurteilung der Erbanlagen zum IVDD-Typ1-Risiko
 
Rassen, bei denen laut Brown et. al  die Mutation mit dem Auftreten des Bandscheibenvorfalls Typ 1 segregiert:
  • American Cocker Spaniel
  • Basset Hound
  • Beagle
  • Cardigan Welsh Corgi
  • Chesapeake Bay Retriever
  • Chihuahua
  • Coton de Tulear
  • Dachshund (Teckel)
  • English Springer Spaniel
  • French Bulldog
  • Jack Russel Terrier
  • Miniature Schnauzer (Zwergschnauzer)
  • Nova Scotia Duck Tolling Retriever
  • Pekingese
  • Pembroke Welsh Corgi
  • Poodle (Pudel)
  • Portuguese Water Dog
  • Scottish Terrier
  • Shih Tzu

Die Mutation ist neben der Wirkung auf die Bandscheiben auch bei der Ausbildung der Länge der Gliedmaßen beteiligt.