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MIM - PSSM1 - PSSM2 - RER

Muskelgesundheit beim Pferd verstehen

Pferde haben im Laufe ihrer Evolution und züchterischen Entwicklung einen außergewöhnlichen Muskelapparat hervorgebracht. Kaum eine andere Tierart kann in vergleichbarer Weise große Energiemengen bereitstellen, äußerst kraftvolle Muskelkontraktionen ausführen und sich nach einer Belastung so schnell regenerieren.

An diesen Fähigkeiten sind zahlreiche Gene beteiligt. Ihre Variabilität führt zu einer enormen Spannbreite individueller Leistungsfähigkeit – vom robusten Freizeitpartner bis hin zum hochleistungsfähigen Sport- oder Rennpferd.

Gibt es Fehler in den Erbanlagen und/oder ist die Umwelt des Pferdes beeinträchtigt, gerät das Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht. Die Folgen reichen von leichter Leistungsunlust und Muskelverspannungen bis hin zu schweren Formen des sogenannten „Kreuzverschlags“ mit massiver Muskelschädigung oder chronischem Muskelabbau. Dieser Symptomkomplex wird als Belastungsmyopathie zusammengefasst. Einzelne Formen, bei denen man eine genetische Grundlage kennt oder vermutet (PSSM, MIM, RER), werden auf der Basis des Wirkmechanismus unterschieden.

Es handelt sich also nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um eine multi-faktorielle Störung im komplexen Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Training, Fütterung, Haltung, Stressbelastung und individueller Belastungstoleranz. 

Zu einzelnen Erbanlagen stehen Tests zur Abklärung zur Verfügung. 

Wann sollte an eine MIM, PSSM oder RER gedacht werden ?

An eine Belastungsmyopathie durch MIM, PSSM oder RER sollte man denken, wenn bei normaler oder forcierter Belastung, oft auch nach besonderen Stresssituationen, typische Symptome auftreten, die sich nicht auf Verletzungen, Infektionen oder ähnliches zurückführen lassen:

Typische Anzeichen sind:

  • Muskelhärte und Muskelverspannungen
  • Steifheit oder Taktunreinheiten
  • unkoordinierte Bewegungen
  • wechselnde oder unspezifische Lahmheiten
  • Schmerzen oder Berührungsempfindlichkeit
  • starkes Schwitzen
  • plötzliche Widersetzlichkeit oder Aggressivität
  • Probleme beim Satteln oder Reiten
  • Leistungseinbruch oder schnelle Ermüdung

Bei chronischen Verläufen können zusätzlich Muskelabbau, allgemeine Muskelschwäche oder ein ausbleibender Muskelaufbau auftreten.

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Formen der Belastungsmyopathie

In Praxis und Literatur werden zahlreiche Begriffe verwendet, die teilweise unterschiedliche Ursachen, Teilaspekte oder spezielle klinische Erscheinungsbilder beschreiben. Dazu gehören unter anderem:

  • PSSM - PSSM1 / PSSM2
  • Kreuzverschlag
  • Tying-Up-Syndrom
  • Rhabdomyolyse
  • RER
  • MIM
  • Monday Morning Disease

Diese Begriffe werden häufig vermischt oder synonym verwendet, obwohl sich dahinter unterschiedliche Mechanismen verbergen können.

Einteilung der Belastungsmyopathien nach dem Wirkmechanismus:

PSSM

Polysaccharid-Speichermyopathie
Bei der PSSM kommt es durch eine gestörte Speicherung von Glykogen zu einer Beeinträchtigung der Energieversorgung. 
 

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MIM

Muskel-Integritäts-Myopathie. 
Die Symptomatik entsteht durch beeinträchtigte Struktur und Funktionsfähigkeit. 
 

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RER

Recurrent Exertional Rhabdomyolysis
Schwere Formen führen zum Zerfall der Muskelfasern mit Ausscheidung von Myoglobin ('Schwarzharn')

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Was tun bei Verdacht auf MIM, PSSM oder eine andere Ursache

Der komplexe Ursachenzusammenhang erfordert die Zusammenführung mehrerer diagnostischer Disziplinen:

  • Tierärztliche Anamnese und Abklärung, ob externe, klinisch erkennbare Ursachen bestehen
    • Beurteilung der Vorgeschichte
    • evtl. erweiterte Differentialdiagnostik mittels Biopsie
  • Beurteilung von Haltung, Fütterung und Training
  • Erheben der bekannten genetischen Faktoren

Genetische Befunde sollten dabei nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist immer die Kombination aus genetischer Veranlagung, klinischem Bild und Umweltfaktoren.

Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen haben. Unser Team aus Tierärzten, Genetikern und Fütterungsexperten wird gemeinsam eine Lösung finden, um Sie bestmöglich zu unterstützen.

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