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PSSM2 (Equine Myopathie Pferd)

Equine Myopathie (PSSM2) ist ein Sammelbegriff sich ähnelnder Krankheitsbilder in Folge von Muskelerkrankungen.

Typische Symptome sind Bewegungsunlust durch Muskelschwund und -verspannungen. In der täglichen Praxis kann PSSM2 als 'Trainings-Intoleranz' manifestieren.

Für die derzeit damit in Verbindung gebrachten Gene steht ein DNA-Test zur Verfügung. 

 

DNA-Test: im Shop aufrufen

Symptome

  • Ataktischer Gang/Koordinationsprobleme
    • Steife Hinterhand
    • Muskelzittern
    • Wenig Raumgriff
    • Auffälligkeiten im Gangbild
  • Wechselnde Lahmheit
  • Muskelverspannungen/dem Kreuzverschlag ähnliche Symptome
  • Veränderung im Temperament (durch Schmerz verursacht)
  • Starker Muskelabbau (v.a. in der Hinterhand und im Schultergürtel)
  • Lokaler Muskelschwund mit Bildung von kleinen Dellen, die Trittverletzungen ähneln

Allgemeine Information

  • Bisher sind zwei Typen der Polysaccharid-Speicher-Myopathie" (PSSM) bei Pferden bekannt: Typ 1 und Typ 2.
  • PSSM (Typ) 2 vereint verschiedene Varianten (P2, P3, P4, P8, Px, K1) in mehreren Genen, die zu Symptomen ähnlich denen von PSSM1 führen können, ohne dass die Mutation im GYS1-Gen vorhanden ist, die als Risikofaktor für PSSM1 identifiziert worden war.
  • PSSM2 ist im eigentlichen Sinne keine Polysaccharid-Speicher-Myopathie wie PSSM1, sondern ein durch die wissenschaftlichen Arbeiten etablierter Begriff. Die charakteristischen Veränderungen finden sich in den Muskelfibrillen. Diese sind die strukturellen Funktionseinheiten der Muskeln.
  • Je nach Lokalisation sind 2 Subtypen zu PSSM2 ableitbar:
    • "Myofibrilläre Myopathie"(MFM) durch und P2, P3, P4, P8, K1
    • "Recurrent Exertional Rhabdomyolysis"(RER)  durch Px
  • Die Kombination mehrerer Varianten erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und einem früheren Auftreten der Symptome.
  • Eine angepasste Ernährung und spezielle Bewegungstherapie ermöglichen der Manifestation entgegenzuwirken.

Betroffene Rassen

Die bekannten PSSM2-Varianten kommen bei allen Pferderassen vor. Ausnahme sind

Islandpferde, bei diesen wurden bisher nur P3, P8 und K1 gefunden.

Beteiligte Gene | DNA-Test

Sechs semi-dominante Genvarianten (P2, P3, P4, P8, Px und K1) sind derzeit als Risikofaktoren für das Auftreten von PSSM2-Symptomen untersuchbar. 

 

Der Panel-Test von generatio - CAG zielt auf die jeweiligen Veränderungen in den Genen MYOT (P2), FLNC (P3), MYOZ3 (P4), PYROXD1 (P8), COL6A3 (K1) und CACNA2D3 (Px).

Der Panel-Test basiert auf Forschungen von EquiSeq.

 

Test im Shop

Zusammenhang zwischen PSSM2 Variante, betroffenem Gen, der normalen Funktion des daraus entstehenden Proteins und der daraus resultierenden Krankheit.

Subtypen von PSSM2

 

Myofibrilläre Myopathie (MFM)

Myofibrilläre Myopathie (MFM) ist ein Subtyp von PSSM2, ausgelöst durch die Varianten P2, P3, P4, P8 und K1.
MFM verursacht eine spezielle Art von Schaden in den Muskeln. Bei einer normalen Muskelbiopsie ist dieser jedoch nicht ersichtlich und wurde erst durch eine kürzlich entwickelte Färbemethode offenbart. Forschungen von EquiSeq haben daraufhin fünf semidominante Allele auf fünf Genen diagnostiziert, welche MFM auslösen (P2, P3, P4, P8 und K1). Pferde, die eine Kopie einer der Varianten (n/P2, n/P3 oder n/P4) tragen, haben die Veranlagung MFM (als PSSM2 diagnostiziert) zu entwickeln.
Pferde mit zwei Kopien der Variante (P2/P2, P3/P3, P4/P4, P8/P8 oder K1/K1) sind stärker betroffen, mit schwereren Symptomen und einem früheren Ausbruchsalter.

 

Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER)

Auch RER ist ein Subtyp von PSSM2 (Px), mit einigen der oben genannten Symptomen. Zusätzlich sind Blutwerte der Kreatinkinase (CK) und der Aspartat-Aminotransferase (AST) erhöht und in schweren Fällen kann die Myoglobinurie (dunkel gefärbter Urin) auftreten. RER kommt vor allem bei Arabischen Pferden und Vollblütern vor, aber auch bei verwandten Rassen. Diese Variante von PSSM2 konnte bisher nur über eine nicht-standardisierte Muskelbiopsie diagnostiziert werden. Durch die Identifikation der genetischen Variante durch EquiSeq, die mit dieser Form von Equiner Myopathie assoziiert wird, reicht nun schon ein Gentest über Mähnen- oder Schweifhaare des Pferdes.

Genotyp und Laborbefund

Beispiel eines PSSM2 Befunds, bei dem das Pferd "normal" (n/n) für alle 6 PSSM2 Varianten ist.

Erbgang der PSSM2-Varianten: unvollständig-autosomal-dominant/semidominant

 

Diese Art von Vererbung ist typisch bei komplexen Erbkrankheiten und und gilt für alle bekannten Varianten der erblichen Myopathie/Trainings-Intoleranz.

Es bedeutet, dass bereits eine einzelne veränderte Genkopie (—> Mischerbigkeit) ausreichen kann, um die Symptomatik zu erzeugen.

Sind beide Kopien des einzelnen Gens verändert, nimmt das Risiko zu. Dies betrifft sowohl die Wahrscheinlichkeit, dass das Leiden zum Tragen kommt, als auch dessen Intensität.

Der Verstärkungseffekt tritt auch ein, wenn verschiedene Varianten in beliebiger Kombination zusammenkommen.

Eine unvollständige Penetranz (‚Durchschlagskraft’) bedeutet, dass die Symptomatik nicht zwangsläufig auftreten muss. Die Ernährung, der Trainingszustand und weitere (noch unbekannte) genetische Mutationen können die Wirkung der Varianten verändern.

 

Potenzielle Genotypen:

Die folgenden Genotypen und Auswirkungen gelten für die Varianten P2, P3, P4, P8, Px und K1.

 

n/n = normal

→ Das Pferd besitzt keine Anlagen für PSSM2 und kann diese somit nicht an die Nachkommen weitergeben. Das Risiko der Nachkommen wird nicht durch das Tier mit diesem Befund beeinflusst.

 

n/P= mischerbig für die Variante- hohes Risiko Symptome zu entwickeln

→ Für jede Variante besteht eine 50%-ige Wahrscheinlichkeit, dass diese an die Nachkommen weitergegeben wird. Das Risiko der Nachkommen hängt davon ab, welche und wieviele Variante(n) der Paarungspartner beisteuert.

 

P*/P* = reinerbig für die Variante - höheres Risiko Symptome zu entwickeln

→ Die betreffende Variante (P2, P3, P4, P8, Px, K1) wird zu 100% an die Nachkommen weitergegeben. Das Risiko der Nachkommen hängt davon ab, welche und wieviele Variante(n) der Paarungspartner beisteuert.

Empfehlungen für die Zucht

Betroffene Tiere (n/P oder P/P) sollten nur nach sorgfältiger Überlegung und mit der Beratung eines Genetik-Experten und Tierarztes züchterisch eingesetzt werden.

Umgang mit an PSSM2 erkrankten Pferden

PSSM2 gilt als nicht heilbar. 

 

Die meisten von PSSM2 betroffenen Pferde profitieren von einer angepassten Fütterung mit hohem Fett und Proteinanteil und/oder Supplementation der Aminosäuren Lysin, Threonin, Methionin und regelmäßigem Training.

 

Bewegung ist wichtig, daher ist ein aktiver oder offener Stall hilfreich.  Aufgrund ihrer Kälteempfindlichkeit profitieren viele Pferde von einer Decke bei kühlem Wetter.

Literatur

McCue ME et al. (2008). „Glycogen synthase (GYS1) mutation causes a novel skeletal muscle glycogenosis.“ Genomics. 91(5):458-66. PMID: 18358695.


McCue ME et al. (2008). „Glycogen synthase 1 (GYS1) mutation in diverse breeds with polysaccharide storage myopathy.“ Journal of Veterinary Internal Medicine. 22(0):1228–1233. PMID: 18691366.


McCue ME et al. (2009). „Polysaccharide storage myopathy phenotype in quarter horse-related breeds is modified by the presence of an RYR1 mutation.“ Neuromuscular Disorders. 19(0):37–43. PMID: 19056269.


McCue ME et al. (2009). „Comparative skeletal muscle histopathologic and ultrastructural features in two forms of polysaccharide storage myopathy in horses.“ Vet Pathol. 46(6):1281-1291. PMID: 19605906.


Maile CA et al. (2017). „A highly prevalent equine glycogen storage disease is explained by constitutive activation of a mutant glycogen synthase.“ Biochim Biophys Acta.. 1861(1):3388-3398. PMID: 27592162.


Valberg SJ et al. (2016). „Suspected myofibrillar myopathy in Arabian horses with a history of exertional rhabdomyolysis.“ Equine Vet J.. 48(5):548-556. PMID: 26234161.


Lewis SS et al. (2017). „Clinical characteristics and muscle glycogen concentrations in warmblood horses with polysaccharide storage myopathy“ Am J Vet Res. 78(11):1305-1312. PMID: 29076373.

 

Weitere Informationen sind auf der Webseite EquiSeq verfügbar.

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